So schützen Sie sich vor EHEC
Dr. Josef Kleer, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Lebensmittelhygiene der Freien Universität Berlin, nimmt Stellung zur derzeitigen Gesundheitsgefahr durch EHEC-Infektionen in Deutschland
Interview mit Dr. Josef Kleer

- Zoom
- Gefahr durch EHEC?
Seit Anfang Mai 2011 kam es vor allem in Norddeutschland zu einer Erkrankungswelle durch enterohämorrhagische Escheria coli Bakterien (EHEC) des besonders aggressiven Serotyps 0104:H4. Laut Angaben des Robert Koch Instituts litten bisher 4344 Patienten unter schweren blutigen Durchfällen und in ca. 20 Prozent der Fälle trat das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS) auf, das 49 Menschen das Leben kostete.
Doch auch außerhalb der aktuellen Epidemie erkranken jährlich ca. 1000 Patienten an EHEC-Infektionen, von denen durchschnittlich 30 Prozent von HUS betroffen sind. Grund genug, sich ausreichend vor den Quellen des Erreger zu schützen, ohne den täglichen Speiseplan unnötig stark einzuschränken.
Geeignete Vorsichtsmaßnahmen diskutierte Manuela Marin, Vorsitzende der Informationszentrale PizzaExperten e.V., in einem Interview mit Dr. Josef Kleer, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Lebensmittelhygiene der Freien Universität Berlin.
Manuela Marin:
Herr Dr. Kleer, obwohl Bockshornkleesamen aus Ägypten als Quelle der EHEC-Infektionen in Deutschland identifiziert wurden, sind immer noch viele Menschen verunsichert, welche Nahrungsmittel sie ohne Bedenken kaufen und verzehren können. Welche Gefahrenquellen gibt es aus Ihrer Sicht?
Dr. Josef Kleer:
Unter den Lebensmitteln sind neben den Sprossen bestimmte Produkte von Wiederkäuern, vor allem rohes Fleisch vom Rind sowie Vorzugs- und andere Rohmilch mögliche Ansteckungsquellen, denn EHEC ist ein sehr häufig vorkommendes Darmbakterium bei Rindern, das auch im Kot der Tiere enthalten ist und damit auf die genannten Produkte übertragen werden kann. Die zunächst verdächtigten Nahrungsmittel Gemüse und Salat stellen unter Einhaltung empfohlener Hygienemaßnahmen ein zu vernachlässigendes gesundheitliches Risiko dar.
Manuela Marin:
Wie sieht es mit Tiefkühlprodukten wie Pizza aus?
Dr. Josef Kleer:
Unser Institut untersucht viele Produkte regelmäßig auf gesundheitsgefährdende Keime, darunter auch Tiefkühlpizza. Der Nachweis pathogener Bakterien ist äußerst selten. Darüber hinaus werden diese Lebensmittel bei bestimmungsgemäßem Gebrauch vor dem Verzehr länger als zwei Minuten auf über 70 Grad erhitzt, wodurch eine Abtötung von EHEC-Bakterien sichergestellt ist. Der Tiefgefriervorgang allein tötet allerdings keine Bakterien ab, nur ihr Wachstum wird während der Tiefkühllagerung unterdrückt.
Manuela Marin:
Welche Tipps würden Sie dem Verbraucher geben, um sich vor EHEC zu schützen?
Dr. Josef Kleer:
Auch wenn das Erkrankungsrisiko inzwischen wieder auf ein geringes Maß zurückgegangen ist. sollte der Verbraucher alle generellen Hygienemaßnahmen wie gründliches Waschen, getrenntes Lagern und Verarbeiten von rohen pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln beachten. Hinzu kommt die persönliche Hygiene. Ferner sollten tierische Produkte ausreichend erhitzt werden, das gilt vor allem für empfindliche Personen wie Kleinkinder oder ältere Menschen.
Manuela Marin:
Herr Dr. Kleer, vielen Dank für das Gespräch.
Pizzaexperten
